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Sandra Walzer, Fräulein Ideenfinderin

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23 Tipps für den schönsten Regentag auf Erden

Was machen wir, wenn’s regnet?

Den Spruch über schlechtes Wetter und schlechte Kleidung kennen Sie vermutlich. Aber haben Sie schon mal getestet, was da wirklich dran ist?

08:11 Uhr, ruhige Atemzüge im Bett

Das ist schon kein Plitsch-Platsch mehr, sondern leises Hintergrundrauschen (nein, nicht das aus dem All), aber eben doch so laut, dass es Aufweckqualitäten beweist. Vom Regen geweckt werden: erst mal Kaffee, und gucken.

08:14 Uhr, Kaffee und Regengedanken

Machen Sie nie? Machen Sie mal (TIPP 1). Einfach rausgucken in den Regen. Bunte Schirme gucken, kopfgebeugte Menschen gucken, Gassigeher gucken, nasse Blätter und Blumen und Bäume gucken, tropf tropf, meditative Wirkung. Sanftes Aufwachen deluxe, wie es kein Sonnentag und ein Sonntag nur als Regentag kann. Sonnentage kitzeln, locken, rufen, schreien laut, kreischen etwas zu schrill, komm schon, raus mit dir, na hopp, worauf wartest du, raus in die Sonne.

Regentage nicht. Regentage sind leise, zärtlich. Und Regentage im Frühling sind die zärtlichsten. Regen im Frühling ist anders. Weicher, softer. Schöner. Er rast nicht hart durch kahle Äste im Sturzflug Richtung Boden; er fällt, wird federnd abgebremst von den grünsten aller grünen Blätter, von dieser Opulenz, wie sie die Natur nur jetzt mit uns teilt, es wundert mich, dass kein „boing“ zu hören ist bei jedem Tropfen auf frisch gegrünten Frühlingstrieben.

Pfingstrose mit Regentropfen im Fundbüro von Fräulein Ideenfinderin

Nach Tagen voller Sonne und Temperaturen, die schwer auszuhalten sind, ist der Regen Segen, und er ist Startschuss für einen Tag voller Gemütlichkeit. Beziehungsweise: viele kleine feine Startplopps. „Los“, „los“, „los“, „los“ flüstern die Tropfen, „komm“ locken sie, „genieß’“ (den Tag), „mach“ (wozu du Lust hast), so plumpsen sie sacht und erstickt ins Ohr. Wer wollte sich da nicht fügen?

09:48 Uhr, Honigbrot mit Regenguss für herrlichen Frühstücksgenuss

Frühstücken nicht im, aber mit Regen. Frühlingsblütenhonig (TIPP 2) bringt Sonne auf den Tisch, Tropfen dropsen weiter, unbeirrt, im Kaffeemaschinenrhythmus. Gleich anschließend: Rhabarbercrumble vorbereiten. Übrigens (TIPP 3), Rhabarber müssen Sie nicht schälen. Putzen reicht, dann klappt’s auch mit der hübschen rosé-roten Rhabarberfarbe. Aber in den Ofen mit dem Crumble bitte erst am Nachmittag, weil – warm schmeckt’s am besten (TIPP 4).

11:51 Uhr, Regenklamotten anziehen in Zeitlupe

Gibt kein schlechtes Wetter, wissen Sie ja, gibt nur schlechte Kleidung, und es gibt gute. Gelben Regenmantel und gelbe Gummistiefel zum Beispiel, wirklich wetterfest, und damit dann hinaus ins Frühlingsnass (TIPP 5). Wieder gucken. Gucken, wie Tropfen auf Gräser ploppsen, laaangsam hinabrinnen, dann der nächste, und alle Gräser, alle alle Blumen, sie nicken, wie man einem alten Freund zunickt, den man gerne trifft, und bei dem längst keine Worte mehr nötig sind. Regentage sind Tage des stillen Verstehens. Und des Pfützenhüpfens (TIPP 6)! Die Waschmaschine übernimt den Rest. Denken Sie nicht an „uh, wird dreckig“, denken Sie am besten überhaupt nicht. Hüpfen Sie.

Falls Sie es noch nicht getan haben, atmen Sie tief ein (TIPP 7). So tief wie den ganzen Tag noch nicht. Riechen Sie mal, Frühlingsfrühsommerregen, der auf die Erde fällt. Es ist noch kein Sommerregenaufasphaltduft (Petrichor, ja, da gibt es tatsächlich ein eigenes Wort; mehr dazu am Ende), es ist viel mehr etwas eigenes. Wie frisch gewaschen. Die ganze Welt ist frisch gewaschen, gelüftet, Bett neu bezogen. Pures Wohlgefühl.

16:11 Uhr, Butterzuckerkrümelstreusel rieseln wie Nieselregen

Im Regen getanzt, durch Pfützen gehüpft, pudelnass nach Hause, aus den Pitschepatschklamotten geschält, getrocknet, noch dampfend in die Küche. Crumble in den Ofen, jetzt: warmer Rhabarbercrumble zu kalter Sahne oder zu Vanilleeis, Kaffee oder Tee oder Saftschorle, wer Glück hat, hat sich schon Rhabarbersirup zubereitet (TIPP 8), dann ist das Frühlingsglück auf der Zunge (die vorhin noch Regentropfen gefangen hat) vollkommen. Nach Crumble & Co. ist vor Sofa und Buch (lesen Sie mal wieder Ronja Räubertochter, niemand beschreibt Frühling mit einer solchen Lebenslust, wie Ronja das tut; TIPP 9), mit bestem Gewissen, weil Regen.

Kopfhörer im Fundbüro von Fräulein Ideenfinderin Boden Direct Gummiestiefel im Fundbüro von Fräulein Ideenfinderin

Oder Sofa und Musik, Enno oder Anna zum Beispiel (TIPPS 10 und 11). Oder Sofa und Serie, mit dem Doctor oder Mrs. Maisel oder dem Kuchenbäcker oder einen Film, oder doch lieber Musik, De-Phazz vielleicht, oder nichts gucken oder lesen, stattdessen stricken. (TIPPS 12 bis 18) Frühling? Ist doch egal, auch im Frühling ist gut stricken, eben etwas Leichteres, alles geht im Frühling leichter.

18:29 Uhr, Tortellini und Bärlauch und feine Tropfen

Hungergefühl? Hungergefühl. Fein ist an einem solchen Tag etwas Leichtes Warmes, weil eben noch nicht heiß genug draußen für den Melonen-Salat-Sommer-Appetit, aber eben auch nicht grade Gulasch und Knödel. Wunderbar schmecken Tortellini oder andere Pastaprimadonnen, mit frischen Kräutern, am liebsten Bärlauch, ein bisschen Schmand oder Weißwein oder auch Sahne oder was Sie eben mögen, aber Kräuter müssen sein. Frühling und Kräuter und diese Frische und das Grün, die gehören alle zusammen (TIPP 19). Und alles zusammen dann genießen mit eben jenem Weißwein oder oben erwähnter Rhabarberschorle, oder der Holunderversion, weil Holundersirup auch so was Herrliches ist im Frühling (TIPP 20).

Knirps Pocket Regenschirm im Fundbüro von Fräulein Ideenfinderin

19:56 Uhr, Wanne statt Weltgeschehen, viel Schaum dazu

Tagesschau fällt heute aus, Fernsehfilm ebenso. Das 1a-Regentagprogramm findet stattdessen im Bad statt. Genauer: in der Badewanne (TIPP 21). War zwar schon nass genug heute, aber wenn schon, denn schon. Und bitte etwas Belebendes, was mit viel Schaum, und was zum Spielen – Quietscheente oder Streichquartett via Buetooth-Lausprecher beispielsweise. Danach zurück aufs Sofa, noch mal zum Buch, oder vielleicht einfach direkt ins Bett?

Vorher aber noch die hoffentlich getrockneten Klamotten abhängen, und wenn’s sehr viel Frühlingsregen war, dann am besten noch Zeitung in die Schuhe (TIPP 22). Ich ganz persönliche empfehle außerdem: noch ein paar Löffel Lieblingseis auf der Zunge zergehen lassen (FINALER TIPP 23). Für die perfekte Abrundung eines unperfekten Regentages.

Kopfhörer und Gummistiefel im Fundbüro bei Fräulein Ideenfinderin

Mehr lesen:

Etwas über Petrichor, der Duft von Regen, hier und hier.

Noch mal der direkte Weg zu Herrn Grüns Rhabarbersirup.

Alternativ, oder viel mehr ergänzend dazu: Sirup, diesen hier zum Beispiel.

Wissen Sie noch? 1994, Neueinführung von Nivea Soft, „wie ein warmer Sommerregen“, ich fand schon damals, es erinnert mehr an Frühling.

Regenschirm im Erdbeerlook, aaaaaw.

Über die Autorin

Sandra Walzer ist Fräulein Walzer: freie Texterin, Konzeptionistin und Brillenbloggerin. Ich schreibe privat seit etwa 30 Jahren, texte beruflich seit 1997 und bin selbstständig seit 2010.

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